Artikel
0 Kommentare

Balkan statt Balkonien! – eine Rundreise durch das südöstliche Europa

Liebe Verwandtschaft von uns – Beate und Carlo, Vielreisende – waren im Balkan unterwegs. 11 Länder in 4 Wochen. Nachdem wir ihren Blog gespannt verfolgt haben, möchten wir euch ihren Reisebericht nicht vorenthalten. Haltet euch fest, es geht rasant, geschichtsträchtig, abenteuerlich und turbulent zu. Lang ist es auch noch, also schnappt euch ein Glas Wein und lest genüsslich! Danke an Beate fürs fleißige Aufschreiben. Wir überlegen schon, ob wir das mal nachreisen – zumindest in Teilen.

Tag 1: Start in Coburg
Heute starten wir unsere Reise, die uns durch Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Albanien, Mazedonien, Kosovo, Serbien, Rumänien und Ungarn führen wird. Damit ihr uns gedanklich begleiten könnt, werden wir diesen Blog schreiben.

Momentan sind wir am packen – von Kühltasche, Picknickkorb, Bocciaspiel, Monkey 47, Luftmatratze, Wanderschuhe bis Schnorchel ist alles dabei. Irgendwie sind wir aufgeregter als bei unseren sonst üblichen Flugreisen – komisch, oder?

Auf geht’s zur ersten Station: Österreich, südlich von Wien.

Lost im Windpark
Bayern hat Ferien – kein guter Tag zum Autofahren …
Auch musste ich feststellen, dass unser Hotel mitnichten in Wien ist, sondern kurz vor der ungarischen Grenze in der Nähe des Neusiedlersees (im absoluten Nirwana). Unsere Tischreservierung im Haubenrestaurant war zeitlich nicht zu halten (immerhin das Hochzeitstagsmenü) und das böse Wort Küchenschluss hing wie ein Schwert über uns (O-Ton Carlo: die friedliche Fortsetzung unserer Ehe war damit ernsthaft in Gefahr geraten.)

Die Rezeptionistin des Hotels gab uns telefonisch den Tipp einer Abkürzung, über eine Schotterpiste, denn die Zeit rann unbarmherzig …

Wir fanden uns in einem Labyrinth von Schotterpisten in einer unwirklichen Gegend voller rot blinkender Windräder (weitere Zeichen menschlicher Zivilisation waren nicht erkennbar) und ohne Handyempfang!

Carlo gab alles und jagte über die Pisten, die Hasen spritzten rechts und links zur Seite, und eine der Pisten führte uns tatsächlich zum Hotel – und das exakt 7 Min. vor Küchenschluss! Das Essen war übrigens hervorragend und das dazugehörige Hotel (Hotel am Friedrichshof) sehr nett, wenn man es dann gefunden hat. In dem Hof lebte mal eine Kommune. Joseph, ein dort lebender Künstler, unterstützte uns beim Leeren des Weines und Vernichten der Zigaretten. Dafür bekamen wir einen Einblick in die Weltpolitik aus österreichischer Sicht. Nach seiner Ansicht mündete die ehemalige demokratische Kommune, die der freien Liebe sehr zugetan war, in einer Monarchie.

Tag 2: Fahrt nach Dubrovnik
Bitte merken: Fahre niemals, wirklich NIEMALS am ersten Samstag im August mit dem Auto nach Kroatien! Wir hatten 6h Verspätung. – Kein weiterer Kommentar –

Tag 3: Dubrovnik
Das Hotel Villa Argentina liegt wunderschön an der Steilküste zur Adria, besteht aus einem moderneren Haupthaus und 3 eleganten Villen, die irgendwie dazugehören. Wir wohnen in der Villa Glavic  ganz oben, das heißt, man hat einen schönen Ausblick aufs Meer, aber bis zu diesem muss man einige Höhenmeter überwinden – na wenigstens eine sportliche Betätigung! Ins Meer kommt man über eine Badeleiter, und die Liegen sind auf mehreren Terassenebenen verteilt. Herrlich zum Relaxen – und genau das ist der Plan des Tages – fast ausschließlich.

Abends machen wir uns immerhin zu einem Spaziergang in die wunderschöne Altstadt auf, in der es von Menschen wimmelt. Dubrovnik hat die größte erhaltene Stadtmauer Europas (ca. 2 km)!

Wir landen in dem netten Restaurant Zuzori in einer kleinen Gasse (mal nicht aus dem Reiseführer) und essen fantastisch. Carlo meint, dass er eines der besten Steaks seines Lebens hatte, und glaubt mir, er hatte schon einige!

Tag 4: Dubrovnik, Teil 2
Am Morgen gehe ich vor dem Frühstück ins Meer schwimmen, ich liebe es allein im Mittelmeer: warm, glasklar, sanfte Wellen, keine bösen Tiere …
Auf den Liegen wurden schon erste Reservierungen in vorderster Reihe vorgenommen, je ein Turnschuh und ein T-Shirt mit der Aufschrift “Bausparkasse”, ich widerstehe dem kurz aufflackernden Drang, einen der Schuhe ins Meer zu werfen!

Wir nehmen uns nochmal die Altstadt vor. Dubrovnik ist eigentlich eine Festung. Kein Wunder, denn gekämpft wurde hier reichlich. Schon als Stadtstaat Ragusa und zuletzt 1991, als die serbische Armee die Altstadt (warum die Altstadt?) bombardierte. Wir wagen einen Spaziergang über die Stadtmauer (ca. 12 Euro Eintritt – billig ist hier gar nichts), die schöne Blicke eröffnet.

Die schönsten Gebäude sind eigentlich der Rektorenpalast und der Sponzapalast, einige der wenigen Gebäude, die ein verheerendes Erdbeben 1667 überlebt haben. Der Wiederaufbau erfolgte im Barockstil. Als ich wegen der Hitze japsend auf einer Treppe sitze, lerne ich eine einheimische Frau kennen (der es nicht besser geht). Sie erzählt mir, dass die Altstadt immer mehr ausstirbt. Momentan leben gerade noch 800 Menschen hier. Die Meisten haben ihr Haus an Ausländer verkauft oder als Ferienwohnung vermietet. Auf meine Frage, wie es im Winter hier ist, sagt sie: ”only cats and dogs”. Ein Schicksal, das Dubrovnik mit Venedig, Barcelona und anderen Städten teilt.

Abends gönnen wir uns ein feines Essen im peruanischen Restaurant Victoria. Man sitzt am Meer unter Weinlaub, das Ceviche war köstlich, der Service blieb etwas dahinter zurück.

Fazit: Dubrovnik ist absolut eine Reise wert, aber besser im September und mit dem Flieger.


Tag 5: Fahrt nach Montenegro
Ungern verlassen wir Dubrovnik, die Küstenstraße bietet eine eindrucksvolle Szenerie. Wir machen nochmal Halt im Städtchen Cavtat, auch Kleindubrovnik genannt, weil es, wie die große Schwester, eine Altstadt auf einer Halbinsel hat – sehr hübsch!

Nach dem Grenzübertritt sieht sofort alles ganz anders aus, unordentlicher, einige Bausünden des Sozialismus usw. Schließlich landen wir an der Bucht von Kotor, dem einzigen Fjord Südeuropas!

Was für eine Kulisse. Genau an der Stelle, wo die einzige Autofähre über den Fjord geht, also der gesamte Verkehr nach Süden drüber muss (man kann sich das Gewurle und Gehupe vorstellen) steht unser Hotelchen, ein ehemaliges Kapitänshaus.

Casa del Mare Capitano. Man ist sofort wie in einer Oase. 7 wunderschöne Zimmer, ein Gärtchen mit einem Poolchen und 2 Zitronenbäumen, 1 Restaurant mit 5 Tischchen, allerliebst!

An dieser Stelle muss ich Carlo wirklich ein Kompliment machen: die Hotels, die er auswählt sind immer erste Sahne, er investiert Stunden in die Auswahl, aber man kann sich blind auf sein Näschen verlassen!


Tag 6: Kamenari, Montenegro
Heute genießen wir unser Gärtchen, das wir für uns alleine haben. Schauen uns lediglich den Ort Kamenari an und besuchen mal den Local Beach, wo sich die jungen Leute des Ortes treffen.

Abends nach unserem Menü (wir sind immer noch allein) habe ich die grandiose Idee, draußen zu übernachten – wann hat man schon mal ein Bett im Garten? Das haben wir vor 20 Jahren das letzte Mal gemacht.

Die total süßen Serviceleute ziehen uns sogar ein frisches Laken auf! Blöderweise kommen dann doch noch Gäste und als wir gegen 1:30 Uhr mit Sack und Pack umziehen, läuft immer noch Musik. Wahrscheinlich ist der Rezeptionist eingeschlafen. Also: statt Grillenzirpen Eros Ramazotti, statt Mondschein helles Gartenlicht, das die Moskitos des Ortes zum Nachtmahl einlädt (das sind nämlich wir), da kommt nicht wirklich das “Bett im Kornfeld Feeling” auf. Aber schön war’s doch, auch wenn wir es nicht wirklich lang ausgehalten haben.

Ach übrigens, wusstet Ihr, dass Montenegros Währung Euro ist? Wir wussten es nicht (schlechte Recherche), zumal das Land bisher kein EU-Mitglied ist und ich habe beim Geld wechseln ziemlich doof geschaut …

Tag 7:  Kotor, Montenegro
Wir fahren um den Fjord Richtung Kotor zu unserer nächsten Unterkunft: Hotel Palazzo Radomiri, das eine russisch-montegrinische Familie aus einem Barockgebäude ausgebaut hat. Es gibt 7 Zimmer, jedes trägt den Namen eines ihrer Schiffe (Vielleicht kann es deshalb kein 8. Zimmer geben?!).

Die Fahrt um den Fjord ist wunderschön, seht selbst:

Abends bummeln wir durch die Altstadt von Kotor. Dort gibt es, obwohl regelmäßig Kreuzfahrtschiffe anlegen, noch Infrastruktur wie Friseur, Schneider und Uhrmacher.

Den Weg auf der Stadtmauer hoch auf den Berg (ca. 1h ) lassen wir angesichts der 36°C ausfallen. Dafür gibt es einen schönen Fisch im Rest. Bastion – dort wird einem der Tagesfang zum Aussuchen noch an den Tisch gebracht und 2 ältere Herren machen Musik.

Tag 8: Der Berg ruft!
Wirklich erstaunlich, was dieses kleine Land an Unterschiedlichem zu bieten hat!
Wir fahren von Kotor auf die sog. “Leiter von Cattore”.

Die Straße war bis Ende des 18.Jh der einzige Zugang ins Landesinnere. In den Serpentinen versteckte der Bauingenieur ein M, weil er unsterblich in Königin Milena verliebt war. Die Straße ist indessen asphaltiert, wahrscheinlich aber kaum breiter als damals (immer wieder spannend, wenn was entgegenkommt).

In den Bergen ist eine komplett andere Welt, wenig Orte, sehr ursprünglich, wunderschöne Natur …

Vor einer Bergkneipe auf ca. 1.500 m treffen wir Roland aus Frankreich, einen verrückten und absolut netten Kerl und wahren Helden der Straße. Er fährt ein Radrennen über 4200 km in 3 Wochen von Belgien nach Istanbul! Mehr Infos unter www.Cyclo-long-cours.fr

Wir fahren weiter in die alte Königs- und ehem. Hauptstadt Cetinje, die ihre eigene Atmosphäre hat. Leider sind die alten Botschaftsgebäude dem Verfall preisgegeben. Zur Stärkung kehren wir im Restaurant Belvedere ein. Der Wahnsinn, man kann bis zum Skutarisee schauen!

Danach gibt es den ersten Kontakt mit der Polizei: 68 km/h bei erlaubten 50 km/h: “Please pay 50 Euro at the next Postaloffice”.

Carlo hat (as usual) keinen Führerschein dabei …”Than 100 Euro”
…”okay next time, but drive carefull”. Wiedermal Schwein gehabt!

Rückwärts fahren wir über den touristischsten Ort: Budva. Was soll ich sagen, Hotelbunker, Liege an Liege am Strand, der sicher schön ist … Also wir vermeiden großräumig und sind froh, wieder an unserem beschaulichen Fjord zu sein.

Tag 9: Zwei Männer, eine Frau, ein Fjord
Die besten Plätze sind immer noch die, die man nur mit dem Boot erreicht! Nach dem Frühstück holt uns Bogdan zu einer Bootstour ab (Anfang 20, normalerweise Maschineningenieur auf Kreuzfahrtschiffen – die Montenegriner sind eine sehr stolze Seefahrernation).

Wir fahren den Fjord bis zum Ausgang, dort treffen wir auf eine Insel mit dem Fort Mamula. Da es genau in der Mitte zwischen Kroatien und Montenegro liegt, ist die Zuständigkeit nicht ganz geklärt (und keiner kümmert sich).

Dann fahren wir zur wirklichen Sensation: Zur blauen Grotte!
Das ist eine Höhle, in die eine Quelle mündet – glasklares Wasser, türkisfarben mit 2 kleinen Toren nach außen – wir schwimmen darin – total mystisch!

Falls ihr hierher wollt: unbedingt früh am Morgen, auf der Rückfahrt haben wir so manches Ausflugsboot kommen sehen!

Später kehren wir in einer Bar auf der Halbinsel Lustica ein, die man nur per Boot erreicht (nein dazu gibt es keinen Link) und essen die besten Tintenfische unseres Lebens (zart wie Hühnchen, nicht wie Gummiringe).

Auf dem Heimweg fahren wir in einen alten U-Boot Bunker, der in den Fels hineingearbeitet wurde – gruselig!

Zum Schluss legen wir noch an der meistfotografiertesten Insel Montenegros: Gospa od Skrpjela, die eines nicht natürlichen Ursprungs ist, an.

Leider verweist man mich wegen unsittlichen Outfits (lange, langärmelige weiße Bluse mit Bikini darunter) der Insel. An Porto Montenegro, dem neugeschaffenen Super-Yachthafen für die großen Pötte der Reichen und dem Flughafen Tivat mit dem spektakulären Abflug über die Bucht geht es dann wieder zurück.

Den Abend beschließen wir im geschichtsträchtigen Barockstädtchen Perast, wo man die glorreichen Kapitäne bewundern kann, bei denen auch die Seeleute des Zar Peter des Großen zur Schule gingen. Es gibt guten Fisch im Restaurant Conte direkt an der Bucht.


Tag 10: Auf einsamen Wegen gen Süden

Wir verlassen unseren “Palazzo”. Dies wird nicht unser Lieblingshotel. Irgendwie ist hier eine komische Stimmung, obwohl (oder weil?) die Besitzerfamilie hier wohnt. Wir machen eine Tour durch die Berge zum Tal des Rijeka Crnojevica, dessen Ufer mit Seerosen bewachsen ist.

Die Straße ist so schmal, dass  bei Gegenverkehr einer immer zurückstoßen muss, um einen geeigneten Platz der Begegnung zu finden.

Unser Weg führt uns zum Skutarisee, dem Bodensee des Balkans (im Frühjahr hat er etwa die Fläche). Die Grenze zu Albanien verläuft mitten hindurch. Dies ist ein riesiges Naturschutzgebiet, man kann aber eine Bootstour buchen, um die beeindruckende Flora und Fauna zu bewundern. Die letzte Nacht verbringen wir in Dobra Voda = gutes Wasser im Süden des Landes. Montenegro verabschiedet sich mit einem wundervollen Sonnenuntergang.

Fazit: Das Land hat wirklich viel zu bieten, wir hätten gern noch mehr Zeit für den Norden gehabt z.B. die Taraschlucht, der zweittiefste Canyon der Welt. Wir haben viele freundliche Menschen getroffen, wobei das Lächeln nicht inflationär verteilt wird. Die Strände an der Adria sind in dieser Zeit sehr überfüllt (gibt halt viel Steilküste), auch Hotels mit “Privatstrand” verkaufen ihre Liegen. Einen Strandurlaub im Sommer würden wir eher nicht empfehlen, am Fjord ist es sehr schön.

Ein praktischer Tipp zum Schluss: man kann fast überall mit Kreditkarte zahlen, aber man braucht seine PIN!

Tag 11: Albanien, wir kommen!
O-Ton Carlo auf den ersten Kilometern: Vorfahrt hat, wer zuerst fährt!
Dann lässt uns das Land mit offenen Mündern dastehen, wir erwarten verkehrsmäßig das Schlimmste und finden eine 4-spurige Autobahn, auf der man 90 fahren kann! Gut, hin und wieder kommt einem rechts mal ein Traktor oder Eselskarren entgegen, aber macht ja nichts. Man muss bedenken, dass hier bis 1991 das Fahren privater Fahrzeuge verboten war. Umso wichtiger ist es jetzt und die Vorliebe für deutsche Marken ist eindeutig.

Wir erreichen unser Hotel Liro in Vlore eher als gedacht, das in eine schmale Bucht in der Steilküste gebaut ist. Die Etagen schmiegen sich an die Felswand und auch wenn der Geschmack der Einrichtung vielleicht ein anderer ist,

der Blick ist “breathtaking”.

Tag 12: Faulenzen
Heute gibt es nur Sonne, Meer, Liege – nichts weiter. Wir lernen einen weltklassepokerspielenden Farmer aus Südafrika kennen, was es nicht alles gibt …

… und unser niedliches Hotelrestaurant. Es hat eine riesige Speisekarte, aber zu essen gibt es nur das, was der Fischermann heute gefangen hat und das schmeckt gut! Also da steht Kalb und Lamm auf der Karte, hat der Fischer aber heute nicht gefangen, sorry – nein ist echt süß, es gibt Pasta, sowieso ist die Küche sehr italienisch beeinflusst (Brindisi ist nicht weit weg), man sitzt unter einem Feigenbaum auf einer Terrasse überm Meer, 3 Tische sind besetzt und ich könnte mir nicht vorstellen, wie etwas noch schöner sein könnte!

Tag 13: In ungeahnte Höhen!
Der Tag beginnt schon mal richtig schön, denn einige Delfine schwimmen durch unsere Bucht (das geschulte Auge erkennt sie schon von weitem).
Wir machen uns auf, die Gegend zu erkunden und fahren einen Pass, der durch den LLogara  Nationalpark führt.

Die Straße ist ca. 1.000m hoch (das ist schon was, man beginnt ja schließlich bei 0), die Berge drumherum haben so 2.000 m. Über dem Gipfel eröffnet sich ein herrlicher Blick zum Meer.

Unterwegs sieht man überall im Land Bunker, die von dem Verfolgungswahn des kommunistischen Diktators Hoxha zeugen. Wir schauen uns einen Strand an, der momentan noch sehr ruhig ist, aber die Straße gibt es schon und es ist damit zu rechnen, dass hier bald – wie an vielen Orten – eine eher rege Bautätigkeit beginnt. Ähnlich ist es in Vlore: breiter Sandstrand, breiter Boulevard mit Palmen, hier wird es bald aussehen wie in Palma de Mallorca.

Unterwegs kaufen wir Propolis – ein Wundermittel der Bienen, das praktisch gegen alles hilft.

Die Straße ist sehr gut ausgebaut, aber die Fahrweise der Albaner ist etwas speziell (langsam aber gefährlich!). So sehen wir auf dem kurzen Weg einige Unfälle, zum Glück nur kleine Blechschäden.

In Palermo sehen wir diese blühenden Agaven.

Was uns sehr bedrückt, sind Romakinder, die auf einem stinkenden Müllplatz leben (kann man leben sagen?).

Tag 14: Hin zum südlichen „Wendepunkt“
Wir verlassen Vlore und unser wirklich tolles Hotel in Richtung Süden. Wir haben uns (jetzt beginnt der ungeplante Teil der Reise) eine Ferienwohnung in Sarande gemietet. Der Ort ist schön in einer Bucht gelegen aber der Wahnsinn, der gesamte Verkehr nach Süden muss über den “Strandboulevard”, es gibt weiter keine Durchgangsstraße. Die Wohnung hat einen super Blick und einen kleinen Zugang  zum Meer.

Wir sind jetzt nicht mehr am Adriatischen, sondern am Ionischen Meer. Eine Fähre geht nach Korfu, das nur 30km entfernt liegt. Abends essen wir im Demi Restaurant und sitzen direkt am Wasser.

Es ist tatsächlich das erste Mal, dass man ein Jäckchen brauchen könnte. Es gibt einen guten Luganer Wein (man höre und staune) und wieder Fisch (bald wachsen mir Flossen).

Tag 15: Der Weg ist das Ziel
Wir fahren nach Ksamil, dem letzten Ort vor der griechischen Grenze, um ein Abschiedsbad im Meer zu nehmen. Wir finden sogar einen Sandstrand (wirklich die Ausnahme!). Ansonsten geht uns das Gewurle von Menschen hier an der Küste doch langsam auf die Nerven. Es wird in der Zukunft noch viel mehr werden, denn sie bauen überall! Keine riesigen Hotelkästen sondern eher Appartementhäuser, aber viele!
Wir machen uns auf den Weg nach Nordosten (eher ein Zickzackweg, da immer wieder hohe Gebirgszüge dazwischen liegen).

Eine beeindruckende Stadt (Unesco Weltkulturerbe), die an einem Steilhang liegt, über dem eine Festung thront.

Ansonsten lasse ich einfach die Bilder sprechen. Carlo ist glücklich, dass er endlich seine abenteuerlichen Straßen bekommt. Dieser Wunsch wird voll und ganz erfüllt.

Die wenigen Menschen, die wir treffen (hauptsächlich Hirten) sind sehr freundlich, jeder winkt und grüßt. Manche kommen auch geritten. Also wieder eine völlig andere Welt!

Abends erreichen wir mit hängender Zunge den Ohridsee an der Grenze zu Mazedonien und finden problemlos ein Zimmer in einem ziemlich modernen Hotel, direkt am See.

Tag 16: Einmal um den See
Nach einem Bad im Ohridsee nehmen wir uns vor, diesen zu umrunden. Da ein Teil  des Sees in Mazedonien liegt, ist dies mit einem Grenzübertritt verbunden (langsam haben wir Übung darin). Der Schilfgürtel am Ufer wird durch kleine Badestellen unterbrochen.

Der See ist mit ca. 5 Mill. Jahren einer der ältesten der Welt, er ist mit bis 300 m sehr tief und hat eine Fläche von 365 Quadratkilometern. (gut recherchiert, oder?)

Die Stadt Ohrid ist sehr hübsch mit ihren mittelalterlichen Kirchen und Klöstern und  hat so kleine Gassen, dass wir das Gefühl haben, mit dem Auto nie wieder herauszukommen. Hier soll die Wiege der kyrillischen Schrift sein. Es gibt viele Schmuckläden mit den sogenannen Ohridperlen, eine mit Fischschuppen veredelte Perle. Die Herstellung ist ein gehütetes Familiengeheimnis.

 Tag 17: Von Albanien zur Donau
Checkout in Albanien: Wir legen der Rezeptionistin eine Kreditkarte vor, Moment, sie holt den englischsprechenden Kellner (Singular), dieser erklärt uns, dass sie keine Karten einlesen können, weil das Hotel so neu ist (ca. 1 Jahr). Wir haben unsere albanischen Lek aber vollständig ausgegeben (der Rest war Trinkgeld für den englischsprechenden Kellner). Wir konnten aber mit Euro bezahlen (70 für 2 Nächte!!), sie haben uns dann Lek herausgegeben, dazu  haben Kellner und Rezeptionistin zusammengelegt – eine Rechnung gab es nicht.

Fazit: Albanien hat uns sehr gut gefallen, die Menschen sind wirklich reizend und das Land ist wunderschön. Wir hatten nicht erwartet, dass es so weit entwickelt ist. Man muss sich natürlich darauf einlassen, es ist nicht alles so wie zu Hause (wäre ja langweilig), ein bischen Großzügigkeit braucht man ab und zu. Alles ist sehr günstig, man sieht viele Backpacker, auch Trampen ist absolut üblich. Da sich das Land immer mehr zu Europa hin öffnet, wird die Ursprünglichkeit nicht ewig so bleiben.

Ca. 700 km  und einige Grenzübergänge später kommen wir mit Einbruch der Dunkelheit an der Donau an

die dort sehr breit, aber  am Eisernen Tor

auch sehr schmal ist.

Tag 18 bis 21: Drobeta Turnu Severin
Die liebenswerte Stadt Drobeta Turnu Severin liegt nicht nur an der Donau, sondern auch in der Walachei.

Der Name selbst verrät schon viel : Den Zusatz Drobeta erhielt die Stadt 1972, er soll an die römische Stadt Drobeta, die hier existiert hat, erinnern.

In den Jahren 103-105 n.Chr. haben die Römer die sog. Trajansbrücke  (benannt nach dem römischen Kaiser ) mit einer Länge von 1135 m gebaut, dies war die erste dauerhafte Brücke über die untere Donau. Sie wurde über 1000 Jahre sowohl hinsichtlich der Gesamtlänge, als auch von der Bogenspannweite nicht übertroffen!

Welch eine Leistung!

Ein Modell, als Denkmal errichtet, lässt die Holzkonstruktion erkennen! Turnu Severin entstand als mittelalterlich Kolonie Ungarns und stand unter dem Patronat des hl. Severin von Noricum im 13. Jh.

Weiter sehenswert ist das  wunderschön restaurierte Theater und der alte Wasserturm.

Wir eleben einen unvergesslichen Abend mit dem “Herz und Hirn” der Firma Abraxa im tollen Restaurant Taverna Sarbului, in dem es wirklich authentische Balkanküche gibt. Ich freue mich sehr, alle wiederzusehen und die Herzlichkeit ist überwältigend. Vielen Dank an dieser Stelle. Sollte einem eher der Sinn nach italienischer Küche stehen, wäre die Trattoria il Calcio absolut empfehlenswert.

Tag 22 und 23: Transfageras in Transsilvanien
Nachdem unser braves Auto noch neue Stoßdämpfer bekommen hat, erklimmen wir die Karpaten in Richtung Transfageras. Hier trifft man auf die höchsten Gipfel des Landes (und nicht nur auf die). Die Strasse geht bis auf 2000m.

Wir übernachten  vor dem eigentlichen Pass an einem Stausee im Hotel Valea cu Pesti Arges, das ich kurz mit BITTE MEIDEN einschätzen würde.

Dies ist nun unser dritter Versuch, diesen Pass zu überqueren, das letzte Mal (Pfingsten) standen wir vor einer Schneewand!

Dieses Mal haben wir Glück, dass wir drüber können (sogar ziemliches, denn einen Tag später war er für eine Ralley gesperrt), leider spielt das Wetter nicht mit und meistens sehen wir nur das:

Die kurzen lichten Momente lassen uns allerdings ahnen, wie schön es hier ist und irgendwann später werden wir nochmal einen Versuch wagen. Dieser Pass sperrt sich irgendwie gegen uns!

Letzter Tag: Sibiu-Hermannstadt
Hermannstadt liegt in Siebenbürgen und wurde im 12. Jh. von deutschen Siedlern gegründet.

Die historische Altstadt gliedert sich in eine Ober-und Unterstadt und da die Stadt 2007 europäische Kulturhauptstadt war, ist sie in einem sehr guten Zustand (wir haben sie kurz vorher gesehen, da war alles eine riesige Baustelle).

Wir übernachten im Hotel Council am “kleinen Platz” ( es gibt auch einen “großen”). Sehr sehr hübsch und absolut zentral gelegen, hier werden wir sicher Wiederholungstäter.

Neben einem ausführlichen Stadtbummel besuchen wir das Bruckenthalpalais mit seinen bedeutenden Gemäldesammlungen.

Es gibt tatsächlich so viele schöne Häuser, dass ich einfach mal eine Reihe hineinstelle, man könnte die Serie noch beliebig verlängern.

Nicht unerwähnt sei, dass der ehemalige deutschstämmige Bürgermeister von Sibiu, Klaus Johannis, indessen Staatsoberhaupt von Rumänien ist (und nicht der Schlechteste!).

Zum Schluss noch ein kleiner Restauranttipp für Fleischfreunde: Benjamins Steakhouse: ein superzartes Angus Tenderloinsteak – medium rare vom Holzofengrill – besser gehts nicht (wieder einmal eine Überraschung!)

Abschied:
Liebe Leser, wir bedanken uns recht herzlich für das Interesse an unserer Reise. Wir hoffen, ein paar Anregungen weitergegeben zu haben.

Alles in allem kann man sagen, dass wir sehr viel Spaß hatten, viel Interessantes und Unerwartetes gesehen und erlebt haben. Nicht ein einziges Mal haben wir uns unsicher oder mulmig gefühlt. Das Essen war fast durchweg gut (das Obst und Gemüse, das wir oft an der Straße gekauft haben, schmeckt viel besser als zu Hause). Der Wein kann sich absolut sehen lassen und zum Frühstück habe ich eigentlich immer meinen doppelten Espresso mit heißer Milch bekommen.

Was die Sprache betrifft, hatten wir auch keine Probleme, mit Englisch kommt man im Allgemeinen gut durch. Die Versuche, sich Worte der anderen Sprache einzuprägen, haben sich in Grenzen gehalten (ich habe 5 Tage gebraucht, um mir das albanische “danke” = faleminderit zu merken).

Das Auto hat uns über 6.000 km gut zurückgebracht, der Kapitän war große Klasse!

Sogar Carlos böser Zahn ist brav geblieben, wir haben weder das sterile Skalpell, noch das Prednisolon gebraucht – auch sonst keine Medikamente irgendwelcher Art (weder Insektenstiche noch Durchfall).

Ich hoffe, euch Mut gemacht zu haben, diese Länder zu bereisen, die Menschen sind auf jeden Fall gastfreundlich und herzlich.

In diesem Sinne bis zum nächsten Mal – herzliche Grüße Beate & Carlo

Rebloggt from: http://balkanstattbalkonien.wordpress.com

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.