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Fahrradtour auf dem Elberadweg mit Kindern – Teil 5: von Zahna-Elster nach Dessau

Insel Stein im Wörlitzer Park

Nach einer warmen und unruhigen Nacht im Hotel „Zum Anker“ (Fenster zur Hauptstraße und Baustelle gegenüber) werden wir sehr zeitig geweckt und freuen uns auf das Frühstück, wie jeden Morgen. Das Frühstück war auf dem Tisch angerichtet, also kein Buffet. Es war „okay“, einzig die selbstgemachte Erdbeermarmelade im Bügelgläschen tat sich sehr positiv durch ihr zitroniges Aroma hervor. Bei dem aufgerufenen Preis (9,50 Euro/Person, auch für die Kinder) haben wir irgendwie mehr erwartet, zumal das Abendessen am Vortag sehr gut war. Immerhin gab es einen zweiten Cappuccino, den wir dann noch gemütlich draußen in der Morgensonne genießen konnten. Dann ruft die tägliche Morgenroutine, das Einpacken. Inzwischen geht das aber schon recht fix und wir freuen uns, genau die richtige Menge an Gepäck dabei zu haben (sogar für Pumps ist noch Platz).

Wir machen uns auf den Weg, und mich lässt der Gedanke an die vergangenen Frühstücke nicht los. Ich suche nach Erklärungen, warum dem Frühstück in manchen Hotels oft so wenig Bedeutung beigemessen wird. Bei allen wirtschaftlichen Betrachtungen muss doch klar sein, dass man mit dem Frühstück noch jede Menge Zufriedenheitspunkte bei den Gästen sammeln kann, auch wenn die Zimmer nicht ganz so dolle sind. Es muss ja nicht komplett alles aufgefahren werden, aber bei vielen Hotels ist schon ein gekochtes Ei das Höchste der Gefühle. Wenn man Glück hat, gibt es auf Nachfrage gerade noch ein Rührei. Außer im „Alten Fährhaus Meißen“ war das Frühstück jedes Mal eher eine Katastrophe. Bis hin zur halb ausgekratzten „Brunch“-Frischkäsepackung auf dem Buffet haben wir alles erlebt. Leider muss das jetzt einfach mal raus, weil es uns doch etwas geärgert hat, so viel Lieblosigkeit mit anzusehen und zu bezahlen.

Je weiter wir in Richtung Wittenberg fahren, verfliegen die Gedanken zum Glück wieder. Dafür kommt gleich ein neues Thema auf, das uns den ganzen Tag begleiten wird: Umleitungen, überall  Umleitungen! Die Fahrt beginnt schon nach den ersten Kilometern mit einer Umleitung des Radwegs entlang der Bundesstraße in Zahna-Elster. Im Nachhinein wissen wir nun, dass das nicht die letzte sein wird. Da man beim Radfahren ja viel Zeit hat, bieten sich auch hier ein paar Gedanken dazu an, warum ein in den Ferien durchaus rege genutzter Elberadweg genau in dieser Zeit saniert werden muss und man die Radfahrer über Land- und Bundesstraßen rumschicken muss. Wir hatten jedenfalls keine Lust mehr darauf – weder auf  schnaufende LKWs neben uns, noch auf unzählige Kilometer Umweg. Und haben die Schilder fortan ignoriert. Eine gute Entscheidung, zumindest hat es auf dem Streckenabschnitt Wörlitz-Dessau ganz gut funktioniert. Mittlerweile glauben wir übrigens, dass zumindest in Sachsen-Anhalt irgendwo jemand mit einem Umleitungs-Fetisch in (um-)leitender Position sitzen muss. Teilweise absurde Umleitungen trifft man hier nämlich nicht nur auf Radwegen an, sondern auch im Straßenverkehr. Da wird ein Abschnitt von 10 km gesperrt, weil ein 1 m breites Stück Straße saniert wird. Die Umleitung ist dann natürlich 20 km länger und das Schild steht auch direkt davor und nicht etwa am Abzweig vorher, wo man noch evtl. noch eine andere Route nehmen könnte. Das beobachten wir übrigens schon seit vielen Jahren, inzwischen ist es schon ein Running Gag, der leider immer wieder seine Bestätigung findet.


Die Fahrt von Zahna-Elster nach Wittenberg verläuft entspannt entlang der Elbauen, diesmal auch ohne nennenswerten Gegenwind, so dass wir sehr schnell in Wittenberg ankommen. An Wittenberg habe ich nur noch verschwommene Kindheitserinnerungen, die sich zum Glück nicht bestätigt haben, denn von Wittenberg waren wir ebenso wie von Torgau sehr positiv überrascht. Eine sehr schöne historische Altstadt. Da wir nur auf Durchreise sind, haben wir beschlossen, auf jeden Fall noch mal wiederzukommen, um die viele sehenswerten Dinge hier zu bestaunen.

Fürs erste bleibt es beim Lutherhaus und den berühmten Thesen an der Schlosskirche. Dann genießen wir noch ein kleines Mittagessen bei einem Inder (mal wieder, Moritz ist auf den Geschmack gekommen) in einem lauschigen Hinterhof und machen uns wieder auf den Weg, denn neben der längsten Etappe warten auch noch die Gartenanlagen in Wörlitz auf uns. Nach der Brücke in Richtung Dessau, von der aus man noch mal einen schönen Blick auf Wittenberg werfen konnte, ereilt uns mal wieder: eine Umleitung. Danach ging es aber sehr direkt neben den Deichanlagen in Richtung Wörlitz.

Der Wörlitzer Park ist Teil des „Dessau-Wörlitzer-Gartenreiches“, gehört seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Welterbe und wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts angelegt. Auch dieser ist wunderbar erhalten. Teile des Gartenreiches begleiten uns auch auf unserem Weg nach Dessau. Weil wir schon wieder hungrig sind, legen wir eine kurze Kuchen- und Eispause ein und nutzen die Gelegenheit, um unsere Wasservorräte aufzufüllen. Entlang des Wörlitzer Parks machen wir uns weiter auf den Weg nach Dessau, natürlich nicht ohne den einen oder anderen Blick auf die schönen Anlagen und Gebäude zu werfen. Kurz hinter der Parkanlage droht: die nächste Umleitung. Da wir keine Lust darauf haben, fragen wir einen LKW-Fahrer, der uns gerade entgegenkommt. Er ermuntert uns, die Durchfahrt zu wagen. Das war ja schon mal sehr nett, und tatsächlich war der Weg durchaus passierbar, trotz der Baustelle. Zumal es auch zwei Spuren gab und uns auch andere Radler entgegen kamen. Uns erschließt sich auch hier wieder nicht wirklich, warum man beide Fahrspuren gleichzeitig sanieren muss. Ein paar Baustellen-Lehmspritzer auf den Klamotten nehmen wir einfach mal als Souvenir mit. Nach dem Baustellenabschnitt passieren wir durch eine Baumallee das alte Kraftwerk in Vockerode. Hier gibt es auch eine Station der Draisinenstrecke, die zwischen den Orten Oranienbaum, Vockerode und Gräfenhainichen auf stillgelegten Kohlenversorgungsstrecken des ehemaligen Kraftwerks entlang führt. Klingt auf jeden Fall spannend.

Kurze Zeit später, wir fahren inzwischen wieder in weiten Elbauen, ist der Weg auf dem Damm gesperrt. Auch hier widersetzen wir uns und kommen zwar etwas holprig, aber problemlos durch. Danach schließt sich wieder ein tolles Waldgebiet an und wir radeln voller Elan auf den letzten Kilometern gemütlich bis nach Dessau, wo das Landhaus Dessau als unsere Übernachtungsstation für heute wartet. Aber eine vermeintliche Sperrung gab es hier im Wald auch noch, der Grund waren sicher die kaum sichtbaren Dellen im Waldboden – uns hat es nicht gestört und wieder konnte man nur mit dem Kopf schütteln. Insgesamt sind wir am Ende des Tages dann doch 52 km gefahren statt der vorher errechneten 46 km. Mit den Umleitungen wären es sicher noch einige Kilometer mehr gewesen, auf jeden Fall zu viel für uns und die Kinder, denn wir waren auch so schon ganz froh, es geschafft zu haben.

Das Landhaus Dessau ist ein Haus mit ganz viel Geschichte, die weit ins 18. Jahrhundert zurück reicht und Höhen und Tiefen erlebt hat. Um die Jahrhundertwende hieß es auch mal Schloß Waldersee und diente zur Ausrichtung von Sportspielen und Festen für die Dessauer Bürger. Heute ist es Restaurant, Biergarten, Hotel und im Sommer auch ein Freiluftkino. Ein wunderschönes, gemütliches Örtchen mit nett hergerichteten Zimmern. Wir beziehen das grüne und das fliederfarbene Zimmer.

Danach fliegen wir direkt im Biergarten ein, da wir uns hier mit einer unserer Omas verabredet haben und genießen leckeres Essen und kühle Getränke. Die Auswahl ist wirklich ganz nach unserem Geschmack. Putenbrustfilet auf Grillgemüse. Außerdem werden noch verschiedene Suppen in Weckgläsern angeboten sowie eine leckeres Panna Cotta mit Waldbeeren, ebenfalls im Weckglas. Ganz schön lecker alles.

Aktuell findet dort auch ein Sommer Kino Open Air statt – mit einer sehr guten Filmauswahl, wie wir finden. Wir freuen uns, dass wir das Kino für heute vor der Haustür haben. In gemütlichen Liegestühlen schauen wir in „Als wir träumten“ dem wilden Treiben eine Jugend-Clique in der Nachwendezeit zu – nicht wirklich leichte Kost, aber trotzdem ein toller Film.

Danach fallen wir mal wieder todmüde ins Bett – wirklich ereignisreich so eine Radtour!

zur nächsten Etappe

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