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Mein schönstes Ferienerlebnis … Parkhotel 1970 in Michelstadt-Vielbrunn

Bevor wir dieses erfahren, möchte ich nicht versäumen, den Gastautor und lieben Freund Henning kurz vorzustellen, der dieses wunderbare Hotel-Schmuckstück aufgestöbert hat. Henning Harms, Werbetexter, Hotelkenner und offensichtlich Oldtimer-Liebhaber. Wer mal einen wunderbaren Text benötigt, wie den nachfolgenden zum Beispiel, der scheue sich ganz und gar nicht anzurufen – beste frische Texte gibt es garantiert.

„Mein schönstes Ferienerlebnis“ – so lautete in den 70ern die jährlich wiederkehrende Aufsatzaufgabe, bei der ich aus Mangel an Erzählenswertem stets im Mittelmaß verharrte. Hätte ich damals schon das Parkhotel 1970 im Odenwald gekannt, ich wäre ein beunruhigend guter Schüler gewesen. Los geht’s: Die Ferien im Odenwald waren sehr toll. Ich war in einem ganz vornehmen Hotel, in dem alles total modern eingerichtet war. Überall waren ganz viele Sessel, in denen man herrlich faulenzen konnte. Die Tapeten und Teppichböden hatten ganz bunte und große Muster. Und die Lampen sahen aus wie bei Raumschiff Enterprise. Das Zimmer hatte sogar ein eigenes Telefon und einen Fernseher, der so flach war, dass er aussah, als wäre er auch aus einem Weltraumfilm. Vor dem Zimmer war eine Terrasse mit Gartenstühlen, auf der man rauchen könnte aber das darf ich ja noch nicht. Ich dachte immer, so ein Hotelzimmer gibt es nur in amerikanischen Spielfilmen, wo die Gangster immer ihre Beute zählen und ganz viel Whisky trinken. Oder im Swimmingpool Champagner nippen. Den Swimmingpool gab es hier auch. Champagner habe ich nicht gesehen, aber Gangster ja auch nicht. Wenn ich groß bin, will ich unbedingt nochmal hierher kommen – auch wenn ich nicht auf der Flucht bin. Das war mein schönstes Ferienerlebnis!

Nachtrag, 35 Jahre später: Das Hotel ist heute wie ein sehr gut gepflegter Oldtimer: alles Originalteile mit der Patina an den richtigen Stellen, ganz wenig Kilometer, nix verbastelt, alles super gepflegt und immer mit großer Sorgfalt und viel Liebe gefahren. Keine Spur von Rost, offenbar rechtzeitig hohlraumversiegelt. Hier kurbelt man die Fenster noch mit der Hand, genau wie das Telefon. Die Liegesitze nagelneu gepolstert.

Insgeheim habe ich zum Frühstück einen Käseigel und russische Eier erwartet. Aber hier „patzt“ der Oldtimer und serviert stattdessen liebevoll arrangierten Obstsalat, frische Brötchen, viel zu viel Aufschnitt und ein gut gekochtes Ei. Übrigens nicht als Buffet, sondern einzeln am liebevoll eingedeckten Tisch.

Cappuccino? Latte Macchiato? Kinkerlitzchen! Es gibt Filterkaffee und ein Karäffchen O-Saft. Mehr braucht’s nicht in den 70ern. Sonderwünsche werden trotzdem gern erfüllt – in meinem Fall zum Beispiel hektoliterweise Leitungswasser zur Neutralisierung des vorabendlichen Rotweinkonsums, dem ich am jederzeit frei zugänglichen Getränkekühlschrank gegen Ausfüllen einer Strichliste frönen konnte.

Meine weniger kaffeeaffinen Tischnachbarn hatten die Wahl aus 1001 Teesorten und verschiedensten Joghurtvarianten, die mich nicht interessierten aber auch mir unaufdringlich immer wieder angeboten wurden. Da ich ein sehr genügsamer Frühstücker bin, habe ich nicht nach weiteren Extras gefragt. Aber ich bin mir sicher, man hätte den Fluxkompensator angeworfen, um sie mir zu liefern. Ob ich auch Chiasamen dazu bekommen hätte? Vermutlich nicht, aber das ist ja auch gut so. In den Siebzigern hätte man sich mit sowas eh blamiert.

Meine Frühstücksunterhaltung fand ich in einer Original 70er Jahre Musiktruhe und in einer schier endlosen Auswahl an Oldtimer- und sehr exklusiven Design-Zeitschriften, die hier auslagen.

Das Beste am Parkhotel 1970 aber sind die Fahrerin und ihre Co-Piloten: Ann-Kathrin Thimm ist der personifizierte Liebreiz – so natürlich, engagiert, unkompliziert, interessant, einfach wahnsinnig nett und von Anfang an vertraut, dass man sich fast zwingen muss, ihr nicht die Freundschaft anzutragen. Könnte die Arme ja gar nicht wuppen, bei all den Gästen. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen, nächstes Mal mit meiner Frau, der schon die Ohren klingen von meiner Begeisterung und die es kaum erwarten kann, mit mir unseren 70er Jahre Odenwald-Roadmovie zu erleben.

Ach übrigens: wer für Oldtimer kein Faible hat, steigt besser in einem 08/15 Schuppen ab, statt über fehlendes W-Lan oder die Tatsache zu meckern, dass 45 Jahre alte Dinge aussehen als wären sie 45 Jahre alt. Das hat dieses wunderbare Haus nicht verdient. Und auch ein Kleinkinderurlaub ist hier sicher nicht so gut aufgehoben. Dafür ist die Einrichtung zu zerbrechlich und filigran. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Kleinen sich im McDonalds- und Indoor-Spielplatz-armen Odenwald der 70er langweilen. Auf Internet muss man hier aber nicht verzichten, denn der mobile Empfang mit LTE-Geschwindigkeit ist hier ganz hervorragend.

Parkhotel 1970
Ohrnbachtalstraße 7
64720 Michelstadt-Vielbrunn
Website
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