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Wandern, Biken und Entspannung mit Kindern in Tirol – Chalet Schlossblick in Vomp

Wir wollten schon länger mal im Sommer in die Berge. In diesem Jahr hat es sich günstig gefügt, denn wir wollten nach langer Zeit mal wieder in die Toskana. Auf dem Weg dahin bot sich ein Zwischenstopp im Karwendel-Gebirge an, um Bergsommer-Feeling aufkommen zu lassen. Zum Glück hatten wir auch einen geübten Wanderer mit dabei, so dass wir auch gleich noch drei tolle Wanderungen, die sich hervorragend auch für größere Kinder eignen, empfehlen können. Auch eine E-Mountainbike-Tour war dabei. Dazu hatten wir noch eine gemütliche Unterkunft mit einem eindrucksvollen Blick auf Schloss Sigmundslust und einer hervorragenden Ausstattung.

Schön übernachten
Vomp ist ein kleiner Ort in der Nähe von Schwaz, ca. 30 km von Innsbruck. Der Ort versprüht urige Berg-Gemütlichkeit und hat alles, was man braucht, wenn man sich erholen möchte. Vor allem liegt z.B. das Karwendel-Gebirge vor der Haustür und der Achensee gleich um die Ecke. Unser Ferienhaus liegt etwas oberhalb im Ort, der durch typische Holzhäuser und Landleben geprägt ist. Wir schlängeln uns die kleine Dorfstraße hinauf, vorbei ein einem kleinen Kuhstall, und werden fündig. Bei Ankunft werden wir herzlich begrüßt und nehmen das gemütliche Holzhaus erstmal in Augenschein. Neben einer tollen Dachtrasse, entdecken wir einen Whirlpool und eine Infrarot-Sauna. Das Haus bietet Platz für 8 Personen, die Zimmer sind landestypisch urig eingerichtet, die Küche sehr modern. Ein Kinderzimmer mit Doppelstockbett ist etwas kleiner geraten, aber die mitreisenden Jugendlichen arrangieren sich. Die Ausstattung ist hervorragend, wir finden alles was wir brauchen. Selbst ein Weber-Gasgrill versteckt sich noch auf der großen Dachterasse. Da auch das Wetter mitspielt, konnten wir diesen auch ein paar Mal nutzen – genauso wie die Sonnenliegen.

Das notwendige Grillgut haben wir in der örtlichen Metzgerei Prem besorgt, die mit einem vortrefflichen Angebot aufwartet. In die angepriesenen Jausenknacker haben wir uns direkt verliebt. Diese finden sich dann auch in größeren Mengen im Gepäck auf dem Weg nach Italien zum Lago d’Iseo. Selbst für eine Versorgung nach Ladenschluss wurde hier vorgesorgt. Es gab einen 24h-Automaten für Fleischwaren, falls sich außerhalb der Öffnungszeiten noch ein Bedarf an Grillgut ergibt. Tolle Idee!

Unser Vermieter, Herr Hartl, begrüßt uns herzlich und traditionell mit einem guten Zwetschgenbrand und empfiehlt jede Menge Wanderrouten und Hütten, die sich lohnen zu erkunden. Eine Route geht auch direkt am Haus los. Wir fühlen uns sehr willkommen und richten uns mit dem ebenfalls überreichten heurigen Weißwein gleich gemütlich auf der Terrasse rein. Das Wetter spielt die ganze Woche gut mit und und bis auf einen Tag konnten wir die sommerlichen Abende auf der Terasse genießen. Diese war übrigens auch bestens für die eine oder andere Pilates-Session im Freien geeignet. Und auch morgens konnte man hier wunderschön die Sonne über dem gegenüberliegenden Karwendelgebirge aufgehen sehen. Dazu gab es jeden morgen das Tiroler Tageblatt frei Haus geliefert. Klasse war auch, dass es für jeden eine eigene Farbe für die Handtücher gab – sehr praktisch bei vielen Leuten.

Schloss Sigmundslust (erbaut um 15. Jh.), welches direkt vis-a-vis war, haben wir nicht besichtigt. Da es in Privatbesitz ist, kann man es auch nur von außen anschauen, was sich aber auch lohnt. Aus der nahen Ferne sah es zumindest sehr schön erhalten aus.

Wanderrouten mit größeren Kindern

Unsere erste Tour führt uns durch die Wolfsklamm zum Felsenkloster St. Georgenberg. Los geht es in Stans. Auf dem Parkplatz am Beginn der Weges finden wir keinen Platz mehr, wir weichen auf die örtliche Tiefgarage aus.

Zu Beginn des Weges wird eine kleine Maut erhoben, die zur Erhaltung der Wege und der Holzstiege dient (ca. 10 Euro für 2 Erwachsene und 2 Kinder). Über Holztreppen und -brücken erklimmen wir das wildromantische, felsige Gebirge. Bestaunen gigantische rauschende Wasserfälle und steigen 354 Stufen hinauf. Beeindruckend war auch die 40 Meter „Hohe Brücke“, die über das Stallental zum St. Georgenberg führt. Den Abstieg nach Stans machen wir dann auf dem Pilgerweg, der immer wieder durch Heiligenbilder am Wegesrand gesäumt ist. Wir waren jeweils ca. 1,5 h unterwegs. Die Wege sind die meiste Zeit schattig, so dass es trotz Wärme sehr angenehm ist. Auf dem Weg nach oben kann man auch noch einen Zwischenstopp am an einer Stelle breiter werdenden Fluss machen, um mit den Füßen im Wasser zu waten und sich ein bisschen abzukühlen.

Die frische Gebirgsluft fordert ihren Tribut – oben auf dem St. Georgenberg angekommen, kehren wir im tollen Biergarten ein und können wunderschöne Ausblicke bei Kaiserschmarrn, Käsespätzle und Wiener Schnitzel genießen.

Am zweiten Tag wollen wir den Gschöllkopf im Rofangebirge erklimmen. Wir machen uns zunächst auf den Weg nach Maurauch – ganz in der Nähe des Achensees. Dort starten wir mit der Rofanbahn, die uns blitzschnell auf 1.840 m Höhe befördert. Oben angekommen, eröffnen sich weite Panorama-Blicke in gebirgiges Gelände, wir sind oberhalb der Baumgrenze.

Während die Eltern die Karte studieren, staunen die Kinder nicht nur über abfliegende Paraglider, sondern auch über ein ominöses Fluggerät, welches schon rege genutzt wird. Kreischend treffen die Mitflieger wieder am Startpunkt an. Die Kinder wollen auch. Die Attraktion heißt AIRROFAN und befördert einen liegend und zunächst rückwärts 200 Höhenmeter zum Gschöllkopf. Danach geht es mit Karacho wieder ins Tal. Mir stehen schon vom Zuschauen die Haare zu Berge, den Mitfahrern dann vom Fahrtwind. Die Männer und die Kinder fahren mit (für Kinder ab 10 Jahre) und haben einen Heidenspaß! Ein tolles Erlebnis für relativ kleines Geld (Kinder ab 10 Jahre 6,50 Euro, Erwachsene 9,50 Euro) und ein gute Motivation für die anschließende Wanderung zum Gschöllkopf.

Die Sonne gibt ihr Bestes und wir machen uns auf den Weg. Es geht relativ steil bergan und der Weg ist etwas geröllig. Spätestens jetzt ärgere ich mich, dass ich meine Wanderschuhe aufgrund der Platzmangels nicht eingepackt habe. Ich bin zwar kein Freund davon, dass man für alles Spezialkleidung braucht, aber hier ist es wirklich angebracht. Insbesondere beim Abstieg hat man so auf jeden Fall mehr halt. Oben werden wir mit einer tollen Aussicht auf alle möglichen umliegenden Berge und einem schönen Blick zur Bergstation belohnt.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Erfurter Hütte – auch hier gibt es wieder alle möglichen leckeren Spezialitäten – treten wir den Rückweg per Bahn an. Die Ausblicke auf den Achensee und das unter uns liegende Waldgebiet sind echt schön. Ein Abstieg ins Tal ist sicher auch sehr lohnenswert, aber da wir noch „Knie“ von gestern haben, wird dieser auf ein anderes Mal vertagt. Dafür gibt es noch einen kleinen Abstecher auf einen Kaffee an den Achensee. Auch wunderschön gelegen – und wir sehen noch ein paar Leute, die gerade ihre SUPs zusammenpacken. Der Achensee ist auf jeden Fall noch mal eine Extra-Reise wert mit Biken, Laufen, Wandern und Standup Paddeling.

Unsere letzte Wanderung führt uns auf die Weidener Hütte in 1.799 Höhe. Wir starten in Innerst (1.287 m) und laufen zunächst durch bewaldetes Gebiet. Wegen der Herausforderung für die Jugend nehmen wir die ausgeschilderten Abkürzungen (steil und schnell) und laufen nicht den Hauptweg. Zunächst geht es durch Wälder, später dann über Felder und Weiden. Da letztere tatsächlich genutzte Weiden waren, wurde es ab der Hälfte der Strecke dann etwas ungemütlich nass in unseren Schuhen. Denn der Weg führte direkt durch von Kühen ausgetretene Wiesen, in denen viel Wasser – das hoffte ich zumindest – stand. Am Horizont erschienen dann ein paar Almhütten. Da ist das Ziel, dachten wir, war es aber nicht, sonder eine Alm, die noch in Benutzung war. Oben angekommen, trafen wir den Bauern auf einem Traktor mit angehängtem Gülletank. Wir grüßen noch freundlich und gingen weiter. Dieser wartete dann nicht mehr allzu lange und ging seinem Tagwerk nach, welches heute eben darin bestand, Gülle auf den Weiden zu verteilen. Im hohen Bogen schoss diese aus einer Düse seines Anhängers und verteilte sich wie ein dunkler Schleier über das saftige Weidegrün. Es stank fürchterlich, aber wir blieben zumindest verschont, der Strahl ging auf den Weg, den wir eben gekommen sind. Wenig später sahen wir, dass er auch den Weg vor uns schon reichlich und weiträumig besprüht hatte (war sicher keine Absicht).

Lauschiges Wandern geht irgendwie anderes, aber zurück ging ja nun auch nicht mehr. Wir mussten da leider durch (es war ja auch ein ausgeschilderter Wanderweg) und versanken hin und wieder richtig schön im Gülleschlamm. Beim Versuch, selbigen wieder in einem Bach los zu werden, waren die Schuhe dann vollends nass. Ich wünschte mir einmal mehr meine Wanderschuhe herbei. Die Landschaft ringsherum war aber wunderschön, so dass die Stimmung bald wieder besser wurde. Den Geruch wurden wir allerdings so schnell nicht los. Es dauerte dann noch über eine Stunde, bis wir die Weidener Hütte erreichten und uns erst mal waschen und stärken konnten. Der Aufstieg hat sich aber sehr gelohnt, da es hier wieder tolles Essen gab und auch noch ein paar Ziegen für tolles Alpenfeeling sorgten. Runter ging es dann den normalen Weg entlang der Straße, wir hatten jetzt auch keine Lust auf weitere Experimente. Von dem Malheur mal abgesehen, war es landschaftlich eine sehr schöne Wanderung mit tollen Panorama-Blicken.

Unterwegs mit dem E-Bike in Tirol

Zwei von uns hatten an diesem Tag nicht das Wander-Vergnügen, denn sie wollten lieber mit dem Rad die Berge besiegen. Die „Silberregion Karwendel“ (so der offizielle Name der Region) bietet hervorragende Mountainbike- und E-Bike-Routen. Wobei man sich nicht mal zwischen Mountainbike und E-Bike entscheiden muss, denn im örtlichen Büro des Tourismusverbands in Schwaz und im Hotel Schwarzbrunn in Stans kann man hervorragende E-Mountainbikes neuester Bauart (wahlweise Fully oder Hardtail der Marken Haibike und Scott) für gerade mal 15-20 Euro am Tag mieten. Diese Chance wollten sich Vater und Tochter nicht entgehen lassen. Kleine Enttäuschung: für Kinder gibt’s leider keine E-Bikes, dafür aber klassische Mountainbikes zu mieten. Neben den E-Bike-Strecken, die mit wenig Steigung durchs Tal führen (z.B. am Inn entlang zum Achensee), reizten die beiden aber eher die Schotterstrecken in den Bergen. Der erste Teil der Bike-Tour wurde mit rücksichtsvoll-gemächlichem Tempo bewältigt, damit auch die Tochter auf dem Bike ohne Antrieb nicht die Laune verlor.

Los ging’s in Stans erstmal steil bergauf, auf halber Höhe dann über Almwege und wenig befahrene Straßen in Richtung Fiecht, und auf Waldwegen in Richtung Vomp. Zwischendurch wunderschöne Ausblicke in die Berge und ins Tal. In Vomp war dann Pause für die Tochter, während der Vater nochmal zum Kind wurde und mit einem Grinsen im Gesicht mit Elektro-Unterstützung die Berge im Sturm erklomm. Fazit: Begeisterung. Der E-Antrieb, der ca. 80 km Elektro-Unterstützung bietet, ermöglicht es, Steigungen zurückzulegen und in Regionen vorzudringen, die sonst nur mit viel Zeit und Mühe (und Training) zu erreichen sind. Für die Beruhigung des schlechten Gewissens: man muss natürlich dennoch kräftig in die Pedale treten, denn nur dann entfaltet die E-Unterstützung ihre volle Kraft. Hoch geht’s nach Vomperberg, über die Alm vorbei am Gasthaus Karwendelrast, durch Waldwege, über Schotterpisten. Leider ist die Zeit zu kurz für eine längere Tour, denn die Bergwanderer wollen noch abgeholt werden. Also wieder über Schotterpisten ins Tal (dank Fully gut gefedert), die Tochter wieder im Ferienhaus eingesammelt und auf einem wunderschönen Radweg an der Inn entlang zurück nach Stans.

Erkenntnis: Beim nächsten Tirol-Urlaub wird es auf jeden Fall eine längere Bike-Tour geben – oder auch zwei oder drei.

Auch einen Abstecher nach Schwaz haben wir noch unternommen. Auch hier gibt es einiges Sehenswertes. Neben dem Fuggerhaus, in welchem die berühmte Augsburger Handelsfamilie wohnte und zeitweise ihr Imperium von hier aus leitete gibt es zwei größere Pfarrkirchen, ein Silberbergwerk (für das die Region auch bekannt ist) und ein Kloster. Außerdem gibt es in der Innenstadt viele nette kleine Lädchen, Cafés und Restaurants, wo man auch noch mal gemütlich auf einen weißen Spritzer (Weißweinschorle) einkehren kann.

Fazit: Auch das ist wiederholenswert. Wir waren nur vier Tage in den Bergen und haben festgestellt, dass es neben Wandern auch noch jede Menge Aktivitäten gibt, die man hier machen kann. In 2 Wochen würde es auf gar keinen Fall langweilig werden. Die ursprünglich von mir mal angedachte Hüttenwanderung würde ich aber eher nicht mit Kindern machen. Dazu waren sie doch zu wenig zum Wandern zu begeistern.

Beim nächsten Mal müssen auf jeden Fall folgende Dinge mit ins Gepäck:
Wanderschuhe
– eine leichte Regenjacke
Nordic Walking-Stöcke
– und ein leichter Rucksack, z.B. von Salewa

Adresse Unterkunft:
Ferienhaus und Ferienwohnung Chalet Schlossblick
Gröben 11
A – 6134 Vomp
Website

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