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Kalifornien im Glas & Cowboys beraubt – Estancia Beef Club Dresden

Im Estancia Beef Club bin ich ja inzwischen Wiederholungstäter. Echte Cowboys habe ich zwar an diesem Abend nicht getroffen, dafür aber grandiose Gäste, Schätze im Weinglas und nicht zuletzt auf der Tafel. Die Tafelrunde waren allesamt Freunde des Genusses und geladene Gäste des Hausherrn. Es gab ja schließlich etwas zu feiern an diesem Abend und nur wenig bietet sich da besser an, als erlesene Kalifornische Weine, die – nicht überraschend – allesamt großartig bis noch großartiger waren. Ein Bericht über eine überaus gelungene Vorpremiere zur „Independence Day Promotion“, welche demnächst hier stattfinden wird. Wer die nicht verpassen möchte, sollte sich jetzt schon mal einen oder zwei der beliebten Plätze sichern. Und wer wissen möchte, worauf er sich freuen kann, sollte unbedingt jetzt weiter lesen.

Die Begrüßungsrede des Hausherren begleitet ein „2014 Estancia Sauvignon Blanc Monterey County“ – ein sommerlich leichter Wein, perfekt für einen Auftakt einer kleinen Reise in verschiedenen Weingüter Kaliforniens. Leicht fruchtige Aromen stimmen uns auf einen schönen Abend ein.

Ein „2014 Fumé Blanc Robert Mondavi Winery“ folgt diesem gelungenem Start. Der Wein ist ganz und gar kein Unbekannter in der Weinszene und erreichte einige Berühmtheit. Als Vorreiter für neue Herstellungsmethoden kreierte Mondavi einen trockenen, in Barrique ausgebauten Sauvignon Blanc. Die Barrique-Aromen halten sich aber angenehm im Hintergrund. Heraus kommt ein erfrischender Weißwein mit exotischen Aromen von Ananas, Kokos, Limonen und einem Hauch von Mango und einer ausgewogenen Säure, welche prima zu Fisch und Meeresfrüchten harmoniert. Eine perfekte Kombination zum Auftakt der Speisefolge.

Diese leitet dann auch folgerichtig eine Hummersuppe ein – ein gelungener Einstieg in ein kleines Festival des Genießens.

Der Fumé Blanc könnte glatt zu meinem Lieblings-Sommerwein werden. Preislich eignet sich dieser auch eher für besondere Anlässe. Der Vorschlag, diesen zum nächsten Hochzeitstag zu besorgen, scheiterte an der Vorliebe des Ehemannes für Rotweine („Weißwein statt Rotwein ist wie Knäckebrot zum Kaviar“). Das ist natürlich nur darauf zurückzuführen, dass er ihn nicht probiert hat. Wenn wir das nächste Mal hier sind (er steht auf der Karte), wird er seine Meinung ändern. Darauf würde ich jetzt (fast) meinen Ring verwetten.

Ebenso illuster wie die Weinauswahl waren die Gäste. Ich hätte es am Tisch nicht besser treffen können. Vor allem der Weinkenner am Tisch hat es mit großer Begeisterung geschafft, dass ich mich, kaum zu Hause angekommen, erst einmal nach einem Weintasting umgesehen habe. Mit dessen charmanter Begleiterin kam man direkt ins Gespräch, und schnell konnte mal wieder bewiesen werden, dass jeder jeden über drei Ecken kennt (oder waren es sechs?). In Dresden sind es in den meisten Fällen nur zwei.

Auf dem Tisch nimmt die Vorfreude langsam weiter Fahrt auf: es wird ein Caesar Salad serviert – das Original mit gehobeltem Parmesan und einer Riesen-Gamba. Seit kurzem sowieso schon zum Fan dieser Salatvariation mutiert, eroberte er mein Herz im Sturm. Caesar Salad lebt in erster Linie vom Geschmack seines Dressings (Sardellen, Kapern, Zitrone, Ei und ein gutes Öl wetteifern hier um Aufmerksamkeit, aber am Ende gewinnen sie nur im Team) – gut gemacht, so wie hier, kann man sowieso nicht widerstehen, da sind dann auch mal die Pfunde egal. Die Gamba konnte prima mithalten und gewinnt in der Kategorie „wunderschön & saftig“ den Hauptpreis.
Dieser Gang wurde von einem „2013 Chardonnay Franciscan Estate Napa Valley“ begleitet. Er hinterließ ein cremiges Mundgefühl mit leichter Birnen- und frischer Zitrus-Note. Ein sehr passender Wein für diesen Salat, eignet sich aber auch bestens für Risotto oder cremige Pastagerichte.

Wir nähern uns mit einem weiteren Wein langsam aber unaufhaltsam dem Höhepunkt das Abends. Der „2011 Pinot Noir La Masia Marimar Torres Estate Russian River Valley“ stimmt uns perfekt auf den Hauptgang ein. Jedoch sind wir laut Menükarte immer noch beim Vorspiel.

Der Tisch wird umgebaut, und damit wird Platz geschaffen für die schönste Beute des Tages. Wer erinnert sich noch an die Cowboys? Die gehören natürlich nicht nach Kalifornien, repräsentieren aber bestens Amerika und dessen Bekanntheit für feinstes Beef. Deren Begleiter sind jedenfalls schon da und kommen als Drillinge mit dreierlei Dips daher (Chimichurri, Guacomole, Bio-Kräuterbutter). Dazu frisch gegartes wildes Gemüse, welches sich als Wildbrokkoli, Karotten und Wildspargel vorstellt. Die können sich auf jeden Fall schon mal sehen lassen. Das Fleisch wurde natürlich auch nicht „geraubt“, sondern friedlich übergeben von der Firma „Beef & Meer“.

Sollten doch noch Vegetarier hier mitlesen, kann ich ausdrücklich empfehlen, keinen großen Bogen um das Restaurant zur machen. Es lohnt sich schon allein wegen dieser Beilagen, dem Estancia Beef Club einen Besuch abzustatten: aromatisch und auf den Punkt gegart – punkter geht es nicht. Die Möhre schmeckte wie frisch aus dem Garten hinterm Haus gezupft, der Wildspargel ganz leicht spargelig, dazu wundervoll knackig. Die restlichen Gesellen mussten sich hinter diesen Wilden ganz und gar nicht verstecken. Auf den Tellern ist jedenfalls nichts geblieben. Gar nichts.

Als Einstimmung auf den folgenden Hauptgang wird ein „1995 Impériale 6,0 l Cabernet Sauvignon Oakville Robert Mondavi Winery Napa Valley“ – ebenfalls aus der Robert Mondavi Winery im Napa Valley – aus einer seltenen Magnum-Flasche serviert. Dekantiert werden muss dieser gut gereifte Wein nicht, weil er einfach „fertig“ ist, sagt der Gastgeber. Lediglich in servierfreundliche Karaffen umgefüllt, kommt er direkt ins Glas. Der Wein ist einfach unglaublich großartig. Mir fehlen dafür die passenden Worte, um ihm gerecht zu werden. Spätestens jetzt merkt man: ich bin kein Sommelier und auch kein ambitionierter Weinkenner, weiß aber sehr guten Wein durchaus zu schätzen.

Dieser Wein begleitet jedenfalls ganz wunderbar den Auftritt des am Tisch schon durch die Beilagen angekündigten Höhepunktes: 900g Dry Aged American Beef (Rib Eye, Greater Omaha Nebraska Angus Beef USDA) – es kam direkt vom Holkohlegrill und wurde auf einem geschnittenen Lavastein munter brutzelnd am Tisch serviert. Das hat echtes Potenzial, Männerherzen im Sturm zu erobern. Wem jetzt noch nicht das Wasser im Mund zusammenläuft, dem sei gesagt: es war außen kross, innen rosa, zartschmelzend, wunderbar saftig und explosiv, und zwar auf der Zunge.

Umrahmt wird dieses Ereignis mit einem „2012 Opus One Napa Valley“, der nun wirklich ausschließlich etwas für besondere Momente ist und diesen gelungenen Abend wunderbar abschließt. Ein Abend, der auch und vor allem wegen dieses Weines ein unvergessliches Erlebnis war. Der Opus One ist ein Gemeinschaftsprodukt echter Weingrößen, Robert Mondavi und Baron Philippe de Rothschild. Lange hat es gedauert, bis aus einer Idee dieser großartige Wein entstanden ist (einer der teuersten und höchstbewertesten Weine in den USA). Dass Weinkenner hier nichts vermissen werden, ist, glaube ich, spätestens jetzt klar.

Dieser Abend war daher nicht ganz einfach in Worte zu fassen, denn jeder einzelne Wein- und Speisengang war eine kleine Sensation für sich – ein durch und durch gelungener Abend als Testlauf für die folgende Premiere.
Da die Plätze für diese Veranstaltung limitiert sind, sollte man auf jeden Fall die Anmeldung nicht verpassen, am besten geht das mit einem Like der Facebook-Seite des Estancia Beef Club.

Und wer jetzt einfach Appetit bekommen hat und nicht bis dahin warten möchte, sollte direkt einen Tisch reservieren. Ich habe auch schon ein Date fürs nächste Mal. Stimmt’s, Carlo & Beate?

Über das umwerfende Ambiente habe ich hier schon mal geschrieben. Das geht auch gut mit Kindern.

Darüber hinaus eignet sich dieses tolle Restaurant ebenso perfekt zum Feiern von Hochzeitstagen (für den passenden Rotwein ist auf jeden Fall gesorgt), Geburtstag und selbstverständlich auch bestens für Geschäftsessen. Ihre Gäste werden mit hundertprozentiger Sicherheit begeistert sein. Und das nicht nur von den Speisen und dem Ambiente, sondern auch von dem überragenden Service!

Einen ganz herzlichen Dank an Alicia und Steffen Zuber für die Einladung zu diesem wunderschönen amerikanischen Abend. Vielleicht treffe ich beim nächsten Mal doch noch einen Cowboy. Auszuschließen ist es ja nicht. Ich bin mir sicher, auch waschechte Amerikaner würden sich hier wohl fühlen.

Übrigens: Um Haaresbreite hätte ich mich hier auch für die nächste Ausgabe von „Wer wird Millionär?“ bewerben können, denn ich hätte mir fast mit Günther Jauch die Klinke in die Hand gegeben, der hier gerade ebenfalls seinen neuen Wein vorstellte.

ESTANCIA Beef-Club
Forststraße 1
01099 Dresden
Telefon: 0351 – 81 15 78 99
Website

Öffnungszeiten:
Montag – Freitag: 12.00 – 15.00 Uhr
17.00 – 24.00 Uhr
Samstag: 17.00 – 24.00 Uhr
Sonn- & Feiertag: 12.00 – 22.00 Uhr

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